Rote Listen haben sich als sehr bedeutsames und ungewöhnlich vielseitig einsetzbares Instrument des Naturschutzes bewährt. Sie sind aus der Naturschutzdiskussion nicht mehr wegzudenken, auch nicht aus der Umweltpolitik und dem Bewußtsein der interessierten Fachwelt. Als ungeschminkte Darstellung des Erhaltungszustandes des Artenpotentials im jeweiligen Bezugsgebiet bieten sie nicht nur wichtige Grundlagen zur Information der Öffentlichkeit und der zuständigen Behörden sowie Gremien über das Ausmaß der Artenbedrohung, sondern auch vielfältige Entscheidungshilfen bei vielen Fragen des Biotopschutzes und für die Bewertung von Eingriffen in die Landschaft und in die Bestände von Arten.
Vorliegendes Buch bildet die erste Rote Liste der Wirbeltiere des vereinten Deutschlands. Es faßt die gemeinsame Arbeit ost- und westdeutscher Fachleute des Wirbeltierbereichs unter Koordinierung des Bundesamtes für Naturschutz, Bonn, zusammen. Außer den Roten Listen der sechs Wirbeltierklassen, also der Säugetiere, Vögel, Kriechtiere, Lurche, Fische und Rundmäuler, enthält das Werk vollständige Verzeichnisse sämticher in Deutschland früher bzw. heute nachgewiesenen Wirbeltierarten (lediglich sog. unregelmäßige Gäste oder "lrrgäste" werden nicht berücksichtigt) und dazu eine Synopse aller aktuellen Roten Listen der 16 Bundesländer. Für die Mehrzahl der gefährdeten Wirbeltierarten sind außerdem erläuternde Texte zu Bestandssituation und -entwicklung beigefügt, speziell in den Fällen, wo die Einstufung der Gefährdung von jener der Roten Liste aus dem Jahr 1984 abweicht. Eine wichtige Bereicherung bildet auch die erstmals vorgenommene Beurteilung des Gefährdungsstatus der marinen Fische und Rundmäuler, die in den Küstengewässern und in der deutschen Wirtschaftszone der Nord- und der Ostsee leben.
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